Sonntag, 15. August 2010
Ein EX-Vegetarier und das Hühnerschlachten...
Heute ist es nun soweit und das Huhn vom Wochenmarkt wird dran glauben müssen...nur noch wenige Minuten bis zur Schlachtung. Anke und Tamara sind auch zu Besuch, um bei der Schlachtung und Verarbeitung live dabei sein zu können.
...halb vier! Annett ist nun bereit und ruft uns alle in den Hof. Sie hält bereist das Huhn an den Füßen fest und greift nach dem Messer, mit dem sie dem Huhn die Kehle durchschneidet. Zuvor buddelt sie ein kleines Loch, in das das Blut hineinfließen kann. Ohje, bei diesem Anblick wird mir ja schon ganz schwummrig und ich bekomme sogar weiche Knie. Nachdem dann das Huhn ausgeblutet ist, landet es mausetot im kochendem Wasser und danach werden die Feder gerupft. Annett macht das alles in Handumdrehen. Für sie ist es keine große Sache, das Huhn komplett auseinander zu nehmen. Das Rupfen geht ja noch, aber als Annett dann anfängt den Kopf und die Füße abzuhacken....Arrrgh!!!! Das ist nichts für mich. Am aller eckelhaftesten jedoch ist das Ausnhemen der Innereien. Oha, ich hätte echt spucken können. Also Hühnerschlachten ist echt zu krass, jetzt fällt mir auch das Essen wieder viel schwerer!!! Bin in meinem Inneren immer noch Vegetarier. Ich frag mich schon die ganze Zeit, wie krass es dann erst wird, wenn wir die Ziege für Ankes Abschiedsfest schlachten. Das ist echt ne Nummer zu hoch für mich und ich werde auch keine Hilfe leisten können, wenn der große Tag ist. Das überlasse ich dann lieber den Profis...hier noch ein paar Fotos und guten Appetit!
Ich glaube es gäbe viel mehr Vegetarier, wenn die Leute in Deutschland selbst schlachten müssten. Hier sind der Kopf und die Füße des Huhnes die größte Köstlichkeit...und auch das Knochenkauen ist ganz beliebt. Selbst die kleinsten zerlegen den größten Knochen bis am Ende ein zerkauter Brei ausgespuckt wird. Nana war ganz schockiert, als ich dem Hund meinen Knochen geben wollte.
IKEA unter Palmen und Hühner in der Tüte!
| unsere neuen Schulbänke für die 1.Klasse |
| Huhn in der Plastiktüte |
Die Fahrt nach Kasoa durch Accra vorbei an Kokrobite dauerte eine halbe Ewigkeit. Die Straßen waren voll gestopft mit Autos, Bussen, Trotros, LKWs und Taxis...es war ein stetiges Stop&Go durch Accra und wir kamen nur im Schneckentempo voran. So dauerte die Fahrt etwa 2,5 Stunden, bis wir ankamen. Wir suchten gleich nach Holz und hielten bei verschiedenen Tischlerständen an, um ein gutes Angebot für das Herstellen der Schulbänke zu bekommen. Letztendlich entschieden Rose und Ray die Bänke bei dem ersten Tischler anfertigen zu lassen und wir gaben das Herstellen von 10 Bänken in Auftrag.
IKEA - unter Palmen! Es lagen verschiedene Einzelteile für das Zusammenmontieren der Schulbänke bereit und der Bau wurde gleich in Angriff genommen. 4 Männer = 1 arbeitet = 3 schauen zunächst zu. Es dauerte eine Ewigkeit, so dass wir uns gegen zwölf auf den Rückweg machten. Unterwegs legten wir noch einen kleinen Zwischenstop an einem kleinen Markt am Straßenrand ein und Rose hatte vor hier Gemüse und eine Ziege zu kaufen. Doch anstatt der Ziege ergatterte sie nur ein zierliches Hühnchen, verpackt in einer schwarzen Plastiktüte - LEBENDIG!- Als es mich plötzlich mit großen Augen anschaute, bekam ich einen riesen Schreck und hab gleich los geschrien. Alle Marktfrauen amysierten sich köstlich, naja...das kenne ich ja bereits, wenn ich da so an mein erstes Schneckenerlebnis zurück denke. Urgh! Ray holte nun das Huhn aus der Tüte und band es mit einem Stück Schnur an der Ladefläche des Pickups fest. Plötzliche hatte er eine Rasierklinge in der Hand...oh Schreck! Ich befürchtete Schlimmes...ARLARM! Doch puh, zum Glück schneidete er nur die Schnur, die man zuvor um die Beine des Huhns gewickelt hatte, auf und das Huhn war noch nicht tot. Naja, vielleicht brauchen wir es ja zu Hause auch gar nicht mehr schlachten, dachte ich, da es die Fahrt ohnehin nicht überlebt...immer wieder musste ich mich auf der Heimfahrt umdrehen, um mich zu vergewissern, dass das Huhn noch da war bzw. noch lebte.
Auf dem Rückweg fuhren wir durch James Town - die Altstadt von Accra. Wir fuhren am Hafen entlang und kamen an einem Leuchtturm vorbei. Auch hier waren die Straßen wieder gerammelt voll und wir kamen nur langsam vorran. Gespannt beobachtete ich alles. Viele Kinder waren hier alleine auf der Straße unterwegs, ich sah ein riesen Platz, auf dem Fussball gespielt wurde und viele Menschen feuerten als Zuschauer lebendig die Mannschaften an. Hier sah alles recht ärmlich und dreckig aus. Durch den grauen Himmel und die vielen Wolken, sah alles noch viel trostloser aus. Naja, Accra hat eben viele Gesichter und hier gefiel es mir nicht so.
Am nächsten Tag fand hier das bekannte TWINS-Festival statt. Hier in Ghana sind Zwillinge etwas ganz besonderes und werden am 13. August groß gefeiert. (Da kann ich ja gleich mal mitfeiern, so al s halber Zwilling.)
Zuhause angekommen, kamen Anke und Tamara noch zum Abendessen vorbei und wir hatten einen gemütlichen Abend und planten erste Reiseziele für unseren anstehenden Trip in die Volta-Region.
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