Heute habe ich einen zwölf Stunden Arbeitstag hinter mir. Ich bin jetzt ganz schön müde aber glücklich. Ich hatte wieder so viele schöne Momente und tolle Erfahrungen heute-wow, hier kann man echt viel erleben und mitnehmen im Alltag, gerade von den Kindern.
Der Tag hat gleich gut begonnen...als wir um 6 Uhr mit dem Auto los fahren wollten, um die Kinder für den Kindergarten abzuholen, ist unser Auto nicht angesprungen und wir mussten erst Ray anrufen, damit er vorbei kommt und uns den Wagen anschmeißt. Mir ist immer noch nicht ganz klar, woran es denn eigentlich lag und wieso er bei Ray angesprungen ist, "aber Autos ist eben nicht so mein Ding" würde Rosé sagen.
Es war so spannend die Kinder bei ihren Häusern abzuholen und viele Straßen und Ecken von Teshie kennen zu lernen. Bereits nach wenigen Minuten Fahrt hatte ich keine Orientierung mehr. Leider haben wir keinen kleinen Bus und somit saßen wir mit 8 Kindern in einem Opel-Kombi, aber das passt alles schon. Hier braucht man ja keine Kindersitze und es passen echt 6 Kinder hinten ins Auto und zwei kleine saßen vorne bei mir auf dem Schoß. Wir wurden wieder ordentlich durchgeschaukelt aufgrund des vielen Schlammes und der tausend Schlaglöcher und Hubbel auf den Straßen, doch Rosé ist echt eine super Fahrerin! Sie meinte, ich solle mal mitfahren, so dass ich später auch die Kinder abholen könne. Ich glaube nicht, dass ich hier freiwillig während der Regenzeit und auch wegen der für mich noch chaotischen Verkehrsverhältnisse 8 Kinder mit dem Auto transportieren möchte. Wir haben fast eine Stunde gebraucht, weil es immer wieder zwischen durch Stau und stockenden Verkehr gab. Manche der Kinder sind durch das viele Schaukeln wieder eingeschlafen. Doch wir sind alle gut und glücklich im Kindergarten angekommen, wenn auch etwas verspätet.
Der Tag im Kindergarten ging heute total schnell vorbei. Trotz des Wochenendes konnte ich heute noch fast alle Kindernamen und so langsam finde ich mich auch im Kinderzentrum gut zu recht und bring mich sehr aktiv in den Tagesablauf ein. Es ist toll zu erfahren, welch guten Zugang ich zu den Kindern bereits nach einer Woche habe. Sie freuen sich mich zu sehen, wollen mit mir spielen, kommen gerne wenn sie Hilfe brauchen und Konflikte lassen sich auch schon gut klären und sie nehmen mich hierbei ernst. Es wird auch langsam ruhiger und strukturierter im Alltag der Krippengruppe. Die Kinder spielen mittlerweile gut miteinander und können auch die wenigen Spielmaterialien untereinander besser aufteilen. Hier und da gibt es zwar auch immer wieder Streitigkeiten, aber das ist auch normal in diesem Alter. Besonders erfreut hat mich die Situation, als ein 3jähriges Mädchen alleine "Tempo kleine Schnecke" nach den richtigen Regeln gespielt hat. Vor einer Woche kannte sie noch nicht einmal dieses Spiel. Schön wie schnell auch hier die Kinder Dinge lernen, für die sie sich interessieren. Heute habe ich ihnen ein neues Spiel beigebracht, weil alle auf einmal ihre Schuhe ausziehen wollten. Spontan fiel mir ein Schuhsalat zu spielen-das lieben Kinder! Naja, sie wollten anfangs alle immer unter das Tuch gucken, unter dem alle Schuhe versteckt sind und auch nur ihre eignen Schuhe herausnehmen. Aber wir hatten alle unseren Spass und es war ein rießen Schuhgewusel um uns herum. Natürlich haben wir auch wieder viel gesungen. Ein Lied nach dem anderen und ich lerne immer mehr englische Kinderlieder und neue Reime. Das macht mir selbst auch großen Spaß, weil alle Kinder mit so viel Begeisterung dabei sind und aus vollem Leibe mit singen. Auch meine beiden Kolleginnen singen total gerne und ich bin oft nur am staunen.
Das ABC können die Kinder bereits in dem Alter von Anfang bis Ende aufsagen, Marie-Ann sagt es selbst zu Hause ständig auf und übt sehr eifrig. Eine Erzieherin spricht laut vor und die Kinder sprechen alle nach...so machen sie es jeden Tag. Dies ist ein wichtiger Bestandteil des "Stundenplanes". Ja, der Tagesablauf gleicht eher einem Schultages und ich war anfangs sehr überrascht über den Zeitplan. Am Freitag habe ich auch gesehen, wie meine Kollegin Buchstaben und Zahlen in die Hefte der älteren Kinder vorgeschrieben hat und sie den Kindern als Hausaufgabe für das Wochenende austeilte. Nach meiner Erkundigung habe ich herausgefunden, dass Kinder ab 3 Jahren hier bereits beginnen Buchstaben und Zahlen zu schreiben. Das hat mich sehr erstaunt! Ich habe mir Hefte von den Kindern angeschaut und habe mich echt gefragt, wie so junge Kinder bereits "schreiben" können in Bezug auf ihre Entwicklung und motorische Fähigkeiten. Das verstehe ich noch nicht so ganz, wobei hier der genaue Sinn liegt. Aber genau deswegen sei ich auch hier, meinte Rosé und ich solle die Erzieherinnen anleiten. Ich habe dann erklärt, dass die Kinder in Deutschland erst wenn sie in die Schule kommen schreiben lernen und dass es im Kindergarten eher darauf ankommt, dass sie Interesse an der Schriftsprache entwickeln und die meisten sich darin üben, indem sie versuchen ihren Namen oder Mama, Papa zu schreiben anstelle des Alphabets. Es ist echt spannend darüber zu sprechen und eigene Standpunkte auszutauschen, aber ich merke, dass die Erzieherinnen sehr viele meiner Vorschläge und Ideen annehmen und wir sie gemeinsam ausprobieren im Alltag umzusetzen. Es ist ein spannendes Projekt. Rosé meinte bereits, dass sie mich am liebsten fest einstellen würde und ich auch in Ghana leben könnte, wenn sie einen Sponsor für mein Gehalt finden würde. WER WEISS, WAS PASSIERT?! but don´t panic!
Das Heimbringen der Kinder habe ich total genossen. Wieder war das Auto voll mit Kindern und ich hatte vorne 2 jüngere auf dem Schoß.
Wir haben Kinderlieder im Radio gehört und alle haben laut gesungen. Es war so eine schöne Stimmung und somit waren die nervige Fahrbediengungen gleich viel entspannter und alle hatten ihren Spass. Manchmal sitze ich einfach nur mitten drin und bin nur am staunen und total begeistert, was gerade um mich herum passiert. Es ist schon vieles "einfacher" und deswegen auch "einfacher" - you know?