...viele Wochen sind nun seid meinem letzten Bericht vergangen. Aber keine Angst, mir geht es immer noch sehr gut. Jeden Tag erlebe ich stets aufregende Dinge. Tausende Reize fließen auf mich ein und ich bin tief hier in das Land und Kuktur eingetaucht. Klar bin ich auch hier ständig unterwegs und wie man hier so nett sagt "you are always bissy!" Meine engen Freunde und Homies kennen mich ja, immer auf Tour - das ist auch hier nicht anders, seid dem ich so viele nette Leute in Accra kennen gelernt habe. Ich nehme nun 2-3 Mal wöchentlich Trommel-und Tanzstunden und habe das Glück auch regelmäßig bei dem Training meiner Trommelfreunde zu zuschauen. Getanzt und getrommelt wird in einem lebendigen Hof mitten in Accra Centre zwischen waschenden Frauen, spielenden Kindern und einer Menge Katzen und Hunde. Oft werde ich zum Eisessen eingeladen oder es werden leckere Kekse und kleine Teigteilchen gebracht. Die meisten Leute in der Umgebung kennen mich nun ganz gut und begrüßen mich schon freudestrahlend mit einem riesigen Lächeln und "welcome", wenn ich die Straßen entlang schlendere. An den Wochentagen fahre ich immer direkt nach der Arbeit im Kinderzentrum los nach Accra und laufe dann ca. eine halbe Stunde zum Trainingsplazt. An manchen Tagen bin ich bereits so erschöpft von dem langen Hinweg und ich würde mich am liebsten auf der Stelle auf die Holzbank legen und direkt einschlafen. Doch es motiviert mich stets sehr der Gruppe beim Training zu zuschauen und ich habe dann auch wieder die notwendige Energie, um mir die Mosquitos in der Dämmerung vom Leibe zu tanzen. Glaubt mir, es funktioniert;.-) oder wahrscheinlich gibt es einfach in Accra nicht so viele Mosquitos, wie Zuhause bei uns in Teshie auf der Veranda. I don´t know! Gerade zerstechen sie mir wieder kräftig die Füße, da hilft auch kein Anti Brum mehr weiter. Ja, ich bin nun special Guest number 1 bei meinem Trommelmaster-Freund und werde auch auf jede Performence mitgenommen, die an den Wochenenden anstehen. Es ist so unendlich spannend für mich die Truppe zu begleiten. Das tollste Erlebnis war für mich die Gruppe auf den Kontest des Art & Culture Festivals zu begleiten. Dieses Festival ist hier in Ghana sehr bekannt und alle 2 Jahre treffen sich dort rund 20 Gruppen, die gegeneinander antreten und eine Performence des Kpanlogos präsentieren. Das Festival fand dieses Jahr in einem kleinen Dorf nördlich von Accra in Richtung Berge statt (habe leider den Namen des Ortes vergessen). Morgens um 5 Uhr war Treffpunkt mit den Tänzern und Trommlern und bis auf Kofi und ich war niemand pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt da. Erst eine Stunde später sind die ersten Schlafmützen eingetrudelt und das Trotro wurde mit all den Trommeln, Glocken, Kostümen usw... vollgeladen. Ingesamt waren wir 18 Personen plus einen alten knuffigen Trotro-Fahrer, bei dem ich echt Angst hatte, dass er überhaupt noch richtig die Straße sehen konnte. Natürlich hatte ich wieder den Ehrenplatz ganz vorne im Bus direkt neben dem Fahrer. Die Fahrt war sehr lustig und es herrschte eine tolle Stimmung im Bus. Klar wurde wieder viel gesungen und laute Musik gehört, ich selbst bin immer wieder durch das Schaukeln kurz eingedöst und aufgeschreckt, wenn mein Kopf sich in Richtung Schulter des Fahrers neigte. Das Programm sollte offiziell morgens gegen 8 Uhr starten, doch als wir gegen halb acht ankamen, waren noch alle mit dem Aufbau beschäftigt. Außer einer weiteren Gruppe war noch niemand da. Wir nutzten die Gelegenheit, um etwas essbares zum Frühstück aufzutreiben und spazierten durch die noch leeren Gassen des kleinen Ortes. Als wir wieder zum Schulplatz (auf dem das Festival statt fand) ankamen, trafen nach und nach die anderen Gruppen ein. Gegen elf Uhr wurde dann der erste Soundcheck der Musikanlage durchgeführt. Das Wetter, was früh morgens noch so sonnig war, wurde immer ungemütlicher. Der strahlend blaue Himmel wurde immer schwarzer und es zog ein Unwetter über uns auf. Um zwölf Uhr fuhren dann nun endlich die letzten Chiefs und Könige ein und drehte zur Begrüßung eine Runde, um alle Gruppen zu begrüßen. Zufälligerweise war auch Mister Wusah, der Chief aus Ada, anwesend und schüttelte freudestrahlend die Hand des einzigen Obrunis, nämlich meine. Nach einer ausführlichen Begrüßungsrede trat nun die erste Gruppe gegen 1 Uhr auf die Tanzfläche und das interessante Schauspiel begann. Plötzlich fing es stark an zu regnen und das Feld verwandelte sich in eine riesige Matschlage. Doch das hielt nicht die Gruppen ab und es wurde immer weiter getanzt und getrommelt. Ich selbst saß auf einem Plastikstuhl in der ersten Reihe unter einem Zelt und war somit save! Als dann Kofi und seine Truppe an der Reihe waren bin ich klar schnell mit meiner Kamera in der Hand los gesprungen, quer über den Matschplatz gewatschelt (nicht ganz einfach mit FlipFlops), um einige Fotos und Videos zu machen. Danach war ich dann auch völlig aufgeweicht und meine Füße so dreckig. Naja, bei den Weißen sieht man den Dreck eben mehr. Peinlich war es mir allerdings erst, als die Chiefs wieder am Ende ihre Runde drehten und sich im großen Stil von allen verabschiedeten. Klar kam Mister Wusah wieder auf mich zu, um mir die Hand zu schütteln und da saß ich dann, auf meinem Plastikstuhl voll vermatscht von oben bis unten...lalalala...
Als wir dann wieder alle Trommeln im Bus verstaut hatten und alle an Bord waren, sprang der Bus nicht mehr an. Batterie empty! Also mussten die Jungs fleißig schieben!!!! Ich saß gemütlich vorne drinnen und hab sie angefeuert. Zum Glück ging die Straße einbisschen Berg ab und mit dem Schwung sprang dann auch schnell das Trotro wieder an. Doch die Trommler waren auf einmal nicht mehr zu sehen und der Bus schoss voll Speed die Straße hinunter. Zwischendurch hatte ich kleine Panikanfälle und Angst, im nächsten Graben zu landen. Doch der Fahrer war echt geschickt und brachte uns auch wieder heil nach Accra zurück.
Ein weiteres tolles Erlebnis mit der Gruppe hatte ich letztes Wochenende. Sonntags nahm mich Kofi mit in seine Kirche zum Gottesdienst, denn er sollte dort trommeln. Naja, es fielen zwar keine Leute um und es wurden zum Glück keine bösen Geister ausgetrieben,...doch anfangs war ich schon einbisschen skeptisch, was denn alles auf mich zu kommen würde. Mit der Zeit glich der Gottesdienst eher einem tollen Konzert und es war sehr spaßig mit den Leuten in der ersten Reihe das Tanzbein zu schwingen.
Plötzlich kam dann Kofi auf einmal auf mich zu, schnappte mich an der Hand und wir verließen ruckartig die Kirche. Schnell eilten wir mit einem überfüllten Taxi zum Trainingsplatz, packten die Trommeln und fuhren mit einem Pickup-Wagen zu elft auf den nächsten Act-klar wieder mal eine riesen Beerdigung. Es war wohl eine wohlhabende Persönlichkeit, denn es waren etwa 1500 Leute anwesend, es gab ordentlich Schnaps, Vodka, frisches Bier aus dem Zapfhahn...und um 2 Uhr war ich dann auch schon gut dabei. Plötzlich brachte jemand ein riesen Taplett mit einem ganzen gerillten Schwein, das dann natürlich genau hinter mir auf dem Tisch angerichtet wurde. Hmmm lecker, dachte sich da mein kleines Veggieherz....doch ich kam nicht drum rum und musste natürlich davon kosten. Das Essen war sehr lecker und es gab sogar drei Sorten Salat. So was habe ich hier noch nie gesehen. Sehr gut!!!!
Nach vielen Stunden sitzen, essen und trinken ging es da auf die letzte Trommeleinlage der Gruppe zu und ich habe zum ersten mal auch mit getrommelt. Klar fielen wieder viele begeisterte Blicke auf den total unpassend gekleideten Obruni, der sogar noch trommelt. Alle kamen mit ihren Kameras angerannt und schossen fleißig viele Fotos.
Die Heimfahrt war auch wieder ein riesen Spass, denn der Pickup ist unterwegs verreckt und das ganze Öl ist ausgelaufen. Naja, hier wird aber nicht lange rum gemacht und so lange probiert und gemacht, bis der Schaden letztendlich noch größer ist. Nach dem der Fahrer dann den zweiten Kanister Öl reingegossen hat und die Kache immer wieder liegen blieb, haben die Jungs sich entschlossen zu schieben. George saß hinten auf der Ladefläche und trommelte zur Motivation...Das letzte Stück durch Accra Centre haben wir dann die Trommeln getragen und nach 3 Stunden waren wir dann endlich zu Hause.