Mittwoch, 10. November 2010
...die Entwicklung des Kinderzentrums Teil II
Mittlerweile arbeite ich schon 5 Monate in der Bridge-School und ich fühle mich total integriert. Die meisten Kinder kennen nun endlich meinen Namen, wobei ich hier eher "B I A T I" gerufen werden und sie sprechen mich nicht mehr nur mit "Teacher" an. Die Krippenkinder haben eine einfache Abwandelung für meinen Namen entwickelt und nennen mich alle lustigerweise "Teacher Ati". Der meist erklingenste Satz eines jeden Tages lautet: "Teacher Ati, i want water." in ga "Teacher Ati ma nu nu."
Ja, die vielen kleinen Kinder sind mir sehr ans Herz gewachsen und ich habe zu ihnen eine gute Beziehung aufgebaut. Ich kenne ihre Interessen, ihre Stärken und Schwächen, beobachte täglich so viele Entwicklungsschritte...Wow, es hat sich so vieles hier zum positiven entwickelt, sowohl bei den Kindern als auch bei den Mitarbeitern des Kinderzentrums. Der Anfang meiner Arbeit war nicht einfach. Ich bin in einem riesen Chaos gelandet, ohne klaren Tagesablauf und Konzept der Einrichtung. Vieles habe ich mit den deutschen Volontärs und den Lehrern erarbeitet. Mittlerweile haben wir für die einzelnen Kinderklassen (Krippe, Kindergarten, erste Klasse) effektive Stundenpläne entwickelt, die den Tagesablauf für die Kinder nun effektiv gestalten. Es war nicht immer einfach zwischen beiden Kulturen und Schulsystemen einen Mittelweg zu finden, doch wir haben stets versucht aus Beiden das Beste heraus zu nehmen und mit einander zu vereinen. Ich finde der Name "the Bridge - die Brücke" ist für dieses besondere Konzept sehr passend. Das Kinderzentrum und auch die Arbeitsweisen unterscheiden sich stark von den öffentlichen Schulen. Ich habe gerade letzte Woche eine Schule in Accra besichtigt und die ghanaischen Schulverhältnisse mit eigenen Augen gesehen. Ich war echt geschockt. Rund 400 Kinder im Alter von 1-10 Jahre besuchen hier Krippe, Kindergarten und Grundschule. In jeder Klasse sind ca. 30 Kinder mit einem Leherer bzw. Erzieher und einem Assistenten. Die Räume sind so klein, dass ich mich echt gefragt habe, wie die Erzieher zwischen den vielen Kindern überhaupt laufen können (ohne auf eines drauf zu treten). Alle Kinder saßen dicht nebeneinander gepresst auf kleinen Stühlen und waren am "schreiben". Selbst die Krippenkinder fangen hier bereits mit ca. 2 Jahren an das Alphabet zu schreiben. Ich stand vor den Klassenräumen und ich habe mir nur gedacht, dass ich niemals so arbeiten könnte. Keine Spielsachen, keine Spur von Krippen- oder auch Kindergartenatmosphäre, so wie ich es aus Deutschland kenne, habe ich angetroffen. Der Unterricht ist total Lehrerzentriert und streng. Ein Außengelände gab es für die Kinder nicht zum Spielen und manchmal nutzen sie eine Art Park gegenüber der Schule. Ich habe echt großes Glück in Rose Schule zu arbeiten, denn hier sind die Bedingungen für die Kinder und der Tagesablauf schon sehr fortschrittlich gestaltet. Ich arbeitet nun mit 26 Krippenkindern in einem für meine Verhältnisse kleinem Raum, doch für ghanaische Verhältnisse ist das schon Luxus pur. Auch die mitgebrachten Spielsachen und Lernmaterialien sind eine große Besonderheit für die Schule. Ich verstehe jetzt auch die große Begeisterung der Lehrer, selbst mit den Legos zu bauen oder Puzzle zu spielen. Das ist hier eher unbekannt und total spannend damit zu hantieren. Wir haben seid Oktober nun 3 neue Mitarbeiter im Kinderzentrum, was die Arbeit für mich wieder erleichtert hat. Nach den Ferien waren Eric, Rebecca und ich alleine mit allen Klassen. Aviva, eine damalige Mitarbeiterin, ist nach den Ferien unangekündigt nicht mehr auf der Arbeit aufgetaucht. Somit hatten wir drei übriggebliebenen alle Hände voll zu tun, um die Kinder zu betreuen. Rose hat zum Glück sehr tatenkräftig mit angepackt und sich meistens um die 12 Kinder der Kindergartengruppe gekümmert. Ich habe mit Rebecca in der Krippe zu zweit gearbeitet und wir hatten in diesem Monat noch 6 Eingewöhnungen mit neuen Kindern. Die ghanaische Eingewöhnungszeit ist genau 5 Minuten. Die Kinder werden morgens um 7:30 Uhr zur normalen Öffnungszeit gebracht und nachmittags um 15:30 Uhr wieder abgeholt. Viele Tränen und Geheule gab es zusätzlich in dieser Zeit und meine restlichen 20 Kinder waren ja auch noch da. Nebenher habe ich noch versucht einen effektiven Stundenplan für die Krippenkinder zu entwickeln, um einen guten Tagesablauf zu gestalten. Oft ging es drunter und drüber, aber Rebecca und ich sind zu einem guten Team zusammen gewachsen. Im Oktober liefen dann einige Vorstellungsgespräche und es waren Bewerbe zum Probearbeiten da. Zunächst nur unausgebildete Mädchen, die noch keine Erfahrungen mit pädagogischen Arbeit haben. Meine Aufgabe war es dann zusätzlich, die Lehrer anzuleiten und zu prüfen. Mir wurde echt nie langweilig. Ein Lichtblick war es für mich, als Rose mir erzählte, dass sich eine ausgebildete Lehererin für das Unterrichten unserer 1.Klasse interessiert. Wow, endlich jemand der mir Background über das ghanaische Schulsystem geben kann. Sie fing ebenfalls im Oktober in der Schule an zu arbeiten und Eric wechselte dann von der 1.Klasse in die Krippengruppe. Das war das Beste, was mir passieren konnte. Eric leistet nun so tolle Arbeit in der Krippe und legt viel Herzblut in sein Tun und Handeln mit den Kindern. Da wir 20 Jungen und nur 6 Mädchen in der Krippe haben, ist es ebenfalls super für die Jungs, Eric als männliches Vorbild in der Gruppe zu haben. Alle Kinder lieben Eric und er kann sich sehr gut mit seinem Humor und seinem lustigen Wesen auf diese Altersgruppe einlassen. Ihm fällt es auch viel leichter diese Altersgruppe anzuleiten. Ganz kreativ und selbständig plant er verschiedene Aktivitäten / Unterrichtsstunden für die Krippenkinder. Die Kinder haben viel Spass an seinen lustigen Unterrichtsmethoden und alle sind ganz begeistert, wenn "Mr. Frog" mit ihnen das Alphabet lernt. Ansonsten wird viel getanzt, gesungen und getrommelt in unserer Gruppe. Ich bin wirklich so froh, dass nun Eric die Leitung der Krippe übernommen hat, denn er wird die von mir eingebrachten Ideen und Anregungen für die Arbeit bestimmt gewissenhaft weiterführen. Das freut mich echt sehr und ich kann nun auch immer mehr Verantwortung an die einheimischen Mitarbeiter abgeben, denn ich selbst bin nur noch wenige Wochen im Kinderzentrum tätig. Schön war es auch, als Mirjam und wenig später Sabrina als zusätzliche Unterstützung aus Deutschland im Kinderzentrum ankamen. Mit Miri konnte ich gleich von Anfang an super kooperativ zusammen arbeiten. Ich mag sehr ihre offene und lebendige Art. Sie liebt es zu singen und hat eine tolle Stimme. Es tut mir so gut, mich mit ihr auszutauschen. Sie brachte viel positive Energie mit von Zuhause und kam zu einem Zeitpunkt, an dem ich selbst richtig ausgepowert war. Auch über den pädagogischen Austausch und ihr Feedback in Bezug auf meine Arbeit ist für mich sehr wertvoll. Ja es ist wirklich schön, wieder einen Obruni auf der Arbeit zu haben!
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