Montag, 9. August 2010
ABSCHIED - KOFFER PACKEN - ABREISE - HEIMFLUG...doch nicht für mich!
...die Zeit vergeht so schnell hier und wieder verabschiede ich die nächsten Gesichter, die ihre Heimreise nach Deutschland antreten. Heute ist Annis und Magdas letzter Tag hier in Ghana und ihr zweiwöchiger Urlaub ist nun in wenigen Stunden vorbei. Nocheinmal besuche ich die nette Frauen-WG und wir frühstücken alle zusammen auf der wunderschönen Dachterrasse im Odehe-Centre. Kurz vor 8:00 Uhr mache ich mich frühs auf den Weg. Der Himmel hängt voll grauer Regenwolken, es weht ein kühler Wind. Alles sieht grau und düster an diesem Morgen aus. Ich laufe gemütlich in Richtung Tuiblo-Haltestelle und bekomme unterwegs ein Trotro, mit dem ich bis nach Road-side fahre. Von dort aus laufe ich das letzte Stück bis zum Odehe-Centre. Oh nein, es fängt an zu regnen und ich werde erst einmal kräftig geduscht. Doch es ist ganz angenehm warm draußen und somit macht mir der Regen nicht viel aus. Das nervigste daran ist nur, dass die lehmigen Straßen sich in schlammige Pisten verwandeln, die mit FlipFlops eher schwierig zu bewältigen sind. Doch Übung habe ich ja bereits schon! Gegen halb neun komme ich dann etwas aufgeweicht im Odehe-Centre an. Wow - alle sitzen schon an einem reichlich gedeckten Frühstückstisch und schlemmen die leckersten Sachen. Gleich bekomme ich ganz nett einen deutschen Instant- Kaffee angeboten. Käse, Brot und Marmelade stehen auch schon bereit. Wenig später bringt eines von Danis Pflegekindern sogar noch eineSchüssel mit gekochten Frühstückseier...welch ein Genuß! Gemütlich frühstücken wir nun ein letztes Mal in dieser Runde hier zusammen. Es werden letzte Abschiedsfotos geschossen. Anni und Magda berichten mir von ihrem Trip nach Cape Coast und Uschi zeigt uns tolle Aufnahmen von ihrem Aufenthalt in der Voltaregion. Leider wird auch sie heute zurück nach Deutschland fliegen, denn sie hat es endlich geschafft ihren Flug umzubuchen. Es werden die letzten Sachen in den Koffern verstaut und zusammen gepackt. Das ein und andere bekomme ich freundlicher Weise vererbt. So nützliche Dinge, wie z.B. Medikamente, Mosquitospray, Taschentücher, Wäscheklammern, Waschmittel und auch Lesematerial. Darüber freue ich mich natürlich sehr, denn ich bleibe ja auch noch eine Weile. Nach dem ausgewogenem Frühstück gehen Anni und ich noch mal eine Runde spazieren. Wir schlendern durch die Straßen, unterhalten uns und genießen einfach nur die Bewegung. Es hat mittlerweile aufgehört zu regnen und es ist schwül warm. Die Luft ist feucht und man hat das Gefühl, die Kleider kleben an einem fest. Anni findet hier das ein oder andere Mitbringsel und kauft mit den letzten Cedis noch eine Ananas und Kokosnuss für Zuhause. Gegen zwölf Uhr kommen wir wieder zurück. Die Pflegekinder spielen mit Kindern aus der Nachbarschaft Gummitwist auf der Terrasse, es herrscht eine gemütliche Stimmung hier. Magda zeigt mir noch ihr neues Kleid, das sie sich von einer Schneider um die Ecke am Vortag nähen lassen. Es sieht sehr schön aus und sie zeichnet mit den Schnitt des Kleides auf einem Stück Papier auf. Es wird langsam Mittag und es verbleiben nur noch wenige Stunden bis zum Flughafentransport. Dani macht nochmal zur Feier des Tages Waffeln für alle und dazu gibt es noch mal Kaffee. Anni packt noch einaml ihre Kpanlogo-Trommel aus und wünscht sich von Uschi, dass sie für uns trommelt. Ich habe Glück und lerne einen tollen Kpanlogo-Rhythmus. Alle trommeln und klatschen mit und Dani spielt ebenfalls eine mir bekannte Glockenstimme auf der Blechschüssel beim Teigmachen mit. Gegen 15:00 Uhr kommt nun Mustafa mit seinem tollen Jeep angefahren, um die Mädels zum Flughafen zu bringen. Es ist noch einbisschen Zeit und somit gesellt er sich noch kurz zu einer Tasse Tee zu uns auf die Terrasse. Glücklicherweise entdeckt er die Trommel hinter sich und spielt ebenfalls ein kleines Abschiedsständchen. Die Kinder motiviert er dazu zu tanzen. Stundenlang könnte ich noch hier sitzen und realisiere immer mehr, dass es nur noch wenige Minuten sind, die wir hier gemeinsam verbringen.
Ich fühle mich ja schon immer einbisschen traurig, wenn so liebe Menschen, die ich gerade erst kennen gelernt habe, wieder abreisen. Aber trotzdem genieße ich den Tag und freue mich über die netten Kontakte. Ich selbst bin immer wieder froh, dass ich noch nicht zurück fliege und dass ich noch vier weitere Monate hier in Ghana verbringe....welche leider zu schnell vorbei gehen.
"our Day!" - letzter Kindergartentag im Kinderzentrum
| Lunch-time "fried rice and chicken"! |
| gemeinsames Frühstück |
...am Donnerstag, den 5. August war unser letzter Kindergartentag bevor nun auch hier die "großen Ferien" beginnen. Das Kinderzentrum hat dann nun auch wie die Kindergärten in Deutschland, für 3 Wochen geschlossen.
Die Kinder nennen diesen für sie besonderen Tag "OUR DAY"! Alle kommen mit schicken Kleidern in die Schule. Jeder bringt von zu Hause Getränke und leckere Snacks mit , die dann bei einem gemeinsamen Frühstück untereinander geteilt werden. An diesem Tag wird gefeiert! Es findet kein Unterricht statt und die Kinder können den ganzen Tag spielen und herum tollen - es herrscht eine tolle Stimmung bei den Kindern. Zu einer richtigen Party gehört natürlich auch gute Musik! Doch leider können wir keine funktionsfähige Musikanlage rechtzeitig auftreiben und somit feiern wir ohne Musik - aber die vielen bunten Luftballons, die man platzen lassen kann, sorgen auch für genügend Lärm und Spass bei den Kindern...nach dem ich den gefühlten 1000sten Ballon aufgeblasen hatte, war ich doch froh, dass danach die Packung der Ballons endlich leer war.
In der Küche duftete es auch hervorragend! Annett zauberte für die Kinder "fried rice and chicken" mit einer total leckeren Soße, eine Art Ketchup nur selbstgemacht. Sie ist echt eine tolle Köchin. Um 12:00 Uhr gab es dann pünktlich Mittagessen und wir aßen zusammen mit den Kindern im Krippenraum zu Mittag.
Da die Kinder oder besser gesagt die Eltern, nun auch heute ihre Progress-Reports - Zeugnisse - ausgehändigt bekamen, gab es noch für Rose, Aviva und mich viel zu tun. Leider waren die neuen Beobachtungsbögen, die ich zuvor angefertigt hatte, nicht für die Eltern hier nachvollziehbar ausgefüllt. Wir mussten die Reports alle noch mal neu ausdrucken und ausfüllen. ...wieder einmal merke ich die großen Unterschiede in dem Bildungssystem zwischen beiden Kulturen und wie schwierig es ist seine gewohnten Arbeitsweisen hier doch umzustellen. Das bringt mich selbst hier hin und wieder an meine persönlichen und auch pädagogischen Grenzen und ich fühle mich für einen Moment lang etwas niedergeschmettert.
Somit war der letzte Kindergartentag für mich sehr stressig und auch chaotisch. Dazu kam noch, dass mir keiner zuvor den Tagesablauf erklärte, denn alles war einfach anderes als sonst und für die Mitarbeiter war es wohl auch wichtiger "ihren Tag" zu feiern und weniger die Kinder zu beaufsichtigen..."Heute machen wir keinen Unterricht, wir lassen die Kinder einfach spielen...", erklärte man mir morgens kurz vor Beginn mit einem großen Lächeln. Spielen heißt wohl hier, dass die Kinder wohl sich selbst überlassen sind und jeder machen kann, was er will...so viel zum Thema AUFSICHTSPFLICHT!!! Das Verantwortungsgefühl 20 spielende Krippenkinder auf dem Spielplatz zu beaufsichtigen, habe dann eher nur ich.
...ich war dann echt froh, als es endlich 15:30 Uhr war und ich bald Feierabend hatte!!!! Total erschöpft und auch etwas traurig kam ich dann zu Hause hier an und sehnte mich so nach meiner lieben Vero, die man sonst immer nach so stressigen Tagen einen leckeren Espresso zu einer Feierabendzigarette reichte...saß dann alleine draußen auf der Veranda und kämpfte zum ersten Mal seit meiner Ankunft hier mit Heimweh.
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