...nun hat es endlich geklappt und ich bin letztes Wochenende zusammen mit Kofi für 4 Tage in die Volta-Region gereist. Unser Ziel war ein kleines Dorf namens Liati Wote, nahe der Grenze zu Togo. Hier befindet sich Ghanas höchster Berg Afadzato (968 Meter hoch) und auch der Tagbo-Wasserfall, einer der bisher unbekannteren Wasserfälle in Ghana.
Accra - Freitag Morgen 8:00 Uhr (pünktlich auf die Minute - und das in Afrika!) Die Fahrt mit einem überladenen Trotro voll gestopft mit Menschen und Gepäck konnte los gehen. Nach etwa einer Stunde Fahrt qualmte plötzlich das Trotro und die erste Panne stand auf dem Programm. Mal wieder, wie mir bereits bekannt, "Ölverlust" - die nächste Werkstatt wurde angefahren und viele Ghanaer versammelten sich um den überladenen Kleinbus, auf der Suche nach dem Problem..."das konnte dauern", dachten wir uns und machten uns erst mal auf den Weg zum Eiskaufen. Ein schattiges Plätzchen auf einer Bank ließ sich schließlich auch finden und somit war das Warten recht entspannt. Ein alter Mann, der in einem alten Autositz saß, leistete uns Gesellschaft und erzählte mir ausführlich seine Lebensgeschichte in einem mir leider nicht leicht verständlichen Englisch.
Anschließend erhielt ich meine ersten Gesangsstunden von Kofi und ich lernte zwei Kpanlogo-Lieder auf Ga. Den Liedtext schrieb er für ein besseres Verständnis mit einem Stock in den Sand. Neugierige Ohren trudelten nacheinander ein und sangen erfreut mit. Es wurde gesungen, geklatscht und gelacht. Alle hatten wir viel Spass und nach ca. 1,5 Stunden Trotro-Reparatur, setzten wir unseren Trip fort. Die Fahrt in die Volta-Region war herrlich. Es wurde immer grüner und die großen menschenüberfüllten, stinkenden Straßen verwandelten sich in grüne Felder mit kleinen Hütten aus Lehm und Bambus. Ich hatte den Genuss eines Fensterplatzes und genoss in vollen Zügen die tolle Aussicht und auch die frische Luft, die mir um die Nase wehte. Bei 32Crad in einem vollem Trotro ist es sehr empfehlenswert, sich einen Fensterplatz zu organisieren! Gegen 1 Uhr kamen wir unserem Ziel schon deutlich näher und wir stiegen unterwegs um in ein Taxi, dass uns dann über viele huppelige Straßen mit sehr sehr vielen Schlaglöchern in das schöne kleine Dorf Liati Wote fuhr. Ich hatte wieder Glück und der Fahrer ein großer Reggaefan mit einer sehr tollen Auswahl an Musik. Somit wurde die Fahrt sehr gechillt und wir schaukelten langsam von einem Schlagloch in nächste. Unterwegs begegneten wir vielen Farmern die mit riesen Buschmessern auf dem Kopf der Straße entlang liefen. An einer großen Mangoplantage machten wir kurz halt, um uns mit guten Vitaminen zu versorgen. Sehr lecker! Als wir dann endlich bei dem kleinen Guesthouse ankamen, war zunächst niemand anwesend. Wir machten es uns mit unserem Gepäck auf einer Bambusbank unter einem Baum gemütlich und erholten uns von der anstrengenden Fahrt. Plötzlich erblickte Kofi seinen alten Freund, der sich selbst "Mausi" nennt (zumindest hab ich das immer verstanden?) und er organisierten uns eine kleine Hütte zum Übernachten. Unser Zimmer war sehr einfach ausgestattet mit einem Bett, Ventilator, Tische, Stuhl und sogar einem Spiegel. Es war sehr gemütlich doch leider etwas muffig, aber nun gut zum Schlafen reicht es aus. Nachdem wir dann unsere Sachen unterbrachten, machten wir uns auf das Weg ins Dorfzentrum. Also immer der einzigsten Straße entlang, gerade aus... und nach wenigen Minuten Fußmarsch trifft man schon den richtigen Ansprechpartner, den Dorfchief! Herzlich nahm er uns in Empfang und es wurden fleißig Hände geschüttelt. Plötzlich tauchten von allen Seiten und Ecken Leute auf, die begeistert Kofi riefen und ihn erfreut grüßten. Ja, selbst in einem so kleinem Dörfchen, weit weg von Accra, kennt man den berühmten Trommelmaster der traditionellen Trommelkultur. Wir wurden dann stolz in das wohl neu erbaute Touristenbüro geführt, um unsere beiden Ausflüge für die nächsten Tage zu organisieren. Faith, ein netter Teenie Ende 17, war unser Guide für die Tour. Wir lernten gleich noch seine ganze Familie und sein Familienhaus kennen und bekamen auch hier von allen Essen und Trinken angeboten. Hier wird PALMWEIN ganz GROSS geschrieben, denn diese Region ist bekannt für frischen und leckeren Palmwein. Dann ging es weiter zum "Stella´s inn", der einzigsten Dorfkneipe. Dort wurden wir zum Kartenspielen eingeladen. Natürlich wieder nur Männer in der Runde, ich die einzigste Frau und dazu noch ein Obruni...ja, es war wieder spannend. Die Spieltechnik des Kartenspieles hab ich nicht ganz durchblicken können. Aber zumindest haben sie mich zum Führen der Punktetabelle engagiert. Vergnügt beobachtete ich das Zocken der Männer und aß genüsslich meine kleinen Minibananen. Gegen 18:00 Uhr kam plötzlich Mausi an und teilte uns mit, dass unser Abendessen fertig sei. Wow, er war während unseres Aufenthaltes unser Chefkoch und bereitete tolle leckere lokale ghanaische Gerichte mit viel frischem Gemüse zu. Mein Magen machte Purzelbäume, denn wir hatten außer ein paar Keksen und Bananen nichts groß gegessen und ich aß mit vollem Genuss mein erstes von einem Mann zubereitetes Essen. Danach ging es in tiefster Dunkelheit mit Taschenlampen bewaffnet und Mausi im Gepäck zurück in"Stella´s inn" und ich trank mein erstes kaltes Guinnes unter dem Anblick eines wunderschönen Sternenhimmels. Naja, Guinnes ist ja nicht so meins, aber in einem so kleinem Dörfchen darf man eben nicht so sehr große Ansprüche haben. Hauptsache:es war kalt!!! Gegen 21:00 Uhr wurden dann die Bordsteine hochgeklappt und es war keine Menschenseele mehr zu sehen. Für mich sehr zu vorkommend, denn ich war schon müde und freute mich auf mein Bett. Am nächsten Morgen trafen wir uns gegen 6:30 Uhr mit Faith zu unserer Bergtour. Die Jungs redeten zuvor immer von Bergsteigen und klettern...aber als ich Faith mit Flipflops an den Füßen erblickte, dachte ich, dass die Tour ja ein Kinderspiel sei. Doch 1000 Meter steil bergauf, bei feucht heißem Klima, ohne Nahrungsaufnahme und Wasser...teuteuteu...das war schon ganz schön hart für meinen doch noch etwas schlaffen Körper. Aber taff wie ich ja bin, bin ich nach 40 Minuten klettern - schnaufen - schwitzen doch oben auf der Spitze angekommen und hab mich erst mal auf einen riesen Felsen gelegt und ausgeruht. Nach wenigen Minuten Verschnaufpause konnte ich nun dann auch endlich die herrliche Aussicht genießen. Ich genoss die frische Luft und die Ruhe, sehr erholsam!!! Bevor es dann wieder abwärts ging, stärkten wir uns mit Wasser und Bananen. Ich fand auch noch einpaar Kekse in der Tasche und dann ging es wieder runter. Das Absteigen war recht easy und entspannt, zu mindest für mich, denn ich hatte meine festen Turnschuhe an und Kofi zog es eher vor mit Flipflops los zu ziehen. Vom vielen Springen und slighten war die aber bereits nach wenigen Menter bergab hinüber und er mussten dann barfuß weiter gehen. Aber für einen richtigen Ghanaer no Problem!!! Gegen 9:00 Uhr sind wir dann wieder in unserem Quartier eingetroffen und Mausi hat uns ein leckeres Frühstück mit Bread and Egg zu breitet. Wobei ich das Brot hier echt fast nicht mehr sehen kann...will leckeres deutsches Brot!!!! Doch sein ein tolles Omlette mit Tomaten und Zwiebeln ist schon nach einer Bergtour was Feines. Nach dem Essen bekam dich dann noch einbisschen Gesangsunterricht und ich übte die zwei Kpanlogo-Lieder vom Vortag. Danach ruhten wir uns einbisschen aus und Kofi entdeckte im Aufenthaltsraum des Guesthouses einen Fernseher. Klar musste dann gleich mal Fußball eingeschaltet werden. Ich zog es vor, einem Jungen beim Fufustampfen zu zuschauen, was für unser Mittagessen zubereitet wurde. Hier habe ich zum ersten Mal Fufu aus Yam gegessen, auch sehr lecker! Oh manchmal fühlt man sich hier nach dem mächtigen Mahlzeiten auch immer wie so ein fetter Fufuklops!!! Doch ein Verdauungsspaziergang durch das Dorf sorgte für mein Wohlbefinden. Wir trafen wieder Faith, unseren jungen Guide, der vorschlug uns zu einer Palmweinplantage zu führen. Der Weg durch den Regenwald war sehr schön und wir liefen auf vielen kleinen kaum sichtbaren Pfaden querfeld ein, bis wir plötzlich an einer kleinen Hütte aus Blech und Holz gebaut, ankamen. Zwei Männer nahmen uns herzlich in Empfang und erklärten uns die Kunst der Palmweinherstellung. Natürlich durfte da eine gute Weinprobe von frisch gezapftem Palmwein nicht fehlen, würde auch gut zu Zwiebelkuchen passen. Hmmm lecker, ein kleiner Gedankenschwanker in die Heimat. Den Abend verbrachten wir dann nach einem guten Abendessen, wieder in der Dorfkneipe. Leider gab es dieses Mal kein kühles Bier, da der Kühlschrank ohne Strom tagsüber den Geist aufgab. Plötzlich zog ein Gewitter auf. Ringsherum blitzte es, es wurde sehr windig und nur wenige Minuten später goss es wie aus Eimern. Ich hätte mein Shampoo zum Haarewaschen mitnehmen sollen. Somit machten wir uns schnellen Fußes auf den Heimweg und folgten der einzigsten Hauptstraße zu unserem Guesthouse, doch dieses Mal leider ohne Taschenlampe. Naja, bin ja mittlerweile ein Matsch-Straßen-Passier-Profi!!! Am nächsten Tag starteten wir dann unseren Ausflug zu dem Tagbo-Wasserfall nach dem Mittagessen. Mit Badesachen im Gepäck schlugen wir uns durch den Regenwald. Nach etwa einer Stunde Fußmarsch, sind wir angekommen. Ich war begeistert von dem wunderschönen Anblick und wollte dieses wunderschöne Bild fotografisch festhalten. Genau nach einem Schuss war auch schon der Akku leer und die Ersatzbatterie zu Hause im Zimmer. Doch besser ein Bild wie kein Bild! Das Baden in dem sehr sehr kaltem Wasser war genial! Der Wind ist mir um die Ohren gepeitscht und je näher man sich in Richtung Wasserfall bewegt hat, desto kälter wurde das Wasser. Nach etwa 20 Minuten Plantschen wurde es mir dann doch zu kalt und wir machten uns auf den Rückweg. Unterwegs hat es dann auf einmal heftig angefangen zu regnen und wir konnten die kleinen Wegpfade eher entlang rutschen, als laufen. Meine Flipflops sind ständig im Schlamm stecken geblieben und irgendwann bin ich dann ganz barfuss gelaufen. Schon praktisch, dass man den Matsch nicht so sehr auf der dunklen afrikanischen Haut sieht. Ich hingegen war von oben bis unten vollgematscht und braun gesprengelt.
Faith hat uns dann noch frische Kakao-Pflanzen vom Baum gepflückt und als wir später total aufgeweicht in unserer Hütte ankamen, habe ich zuerst einmal genussvoll meine Kakaokerne gelutscht. Abends haben wir uns dann auf ein Bier zum letzten Mal im Stella´s inn blicken lassen und uns mit allen möglichen Leuten nett unterhalten. Am nächsten Morgen gab es gegen 6:30 Uhr ein leckeres Abschiedsfrühstück von Mausi mit viel Kaffee und gegen 8:00 Uhr wurden wir dann von unserem sympatischen Reggae-Taxi-Fahrer abgeholt und zur nächsten Trotro-Station in einem etwas größerem Ort gefahren. Im handumdrehen bekamen wir auch gleich einen Platz in einem sehr komfortablen Kleinbus und die 5-stündige Heimfahrt zurück nach Accra verlief problemlos. Als wir dann in das Zentrum von Accra reinfuhren, hat es mich fast erschlagen. So viele Menschen, der krasse Verkehr, die überfüllten Straßen, überall ist es laut und hektisch...kein Vergleich zu dem eher einfachen und ruhigen Dorfleben. Ich persönlich habe meinen kurzen Aufenthalt in Laiti Wote sehr genossen und einen der schönsten Flecken Ghanas dort entdeckt.