| Abigail, Teacher Ati & Sharon |
| Jeffrey und ich |
| Nathaniel und ich |
Kaum zu glauben, dass nun 5 Monate vergangen sein sollen. Es scheint mir, als ob ich meine Arbeit im Kinderzentrum "The Bridge-School" erst letzte Woche begonnen habe. Die Arbeit mit den Kindern, besonders in der Krippe, hat mich sehr stark geprägt. Meine pädagogische Fähigkeiten konnte ich in dieser für mich besonderen Arbeit erweitern, viele neue Kenntnisse dazu gewinnen und ich bin selbst über meine eigenen Grenzen hinaus gewachsen. Die Gestaltung des Alltages im Kinderzentrum war nicht immer einfach. Oft kostete die Arbeit mit den Kindern und den unerfahrenen Mitarbeitern sehr viel meiner Energie. Dazu kommen das heiße Wetter, die fremde Kultur, die schwierigen Familienverhältnisse vieler Kinder, die fremde Sprache... Sehr belastet hat mich auch der Tod eines kleinen zweijährigen Jungens, der bei einem schrecklichen Unfall am 3.11.2010 ums Leben kam. Ich hatte zu Jeffrey eine sehr enge Bindung und wir verbrachten eine intensive Zeit zusammen. Er war meine kleine "Energie-Bombe", immer auf Achse! Immer war er glücklich und zufrieden, hatte eine starke Präsenz und wirkte auf alle wie ein kleiner "Chef". Er liebte Fußball und Trommeln, hier konnte er gut seine Energie raus lassen und wenige Tage vor dem Unglück sagte er zum ersten Mal meinen Namen.... Nach Jeffrey´s Tod habe ich mich zum ersten Mal schrecklich einsam und allein gefühlt. In solch einem schweren Moment habe ich mir so sehr den Zuspruch und Rat meiner Familie, Freunde und auch vertrauter Kollegen aus Deutschland gewünscht. Auf einmal spürt man die vielen vielen Kilometer, die zwischen Ghana und Deutschland liegen. Dieses Erlebnis ist nicht einfach für mich, gerade in einer so fremden Kultur, mit meinen pädagogischen Ansprüche an mich selbst,..."wie soll ich damit fertig werden?" Soll dieser schlimme Unfall nun mein letzter Eindruck, mein letztes Bild meiner langen wunderbaren Zeit hier in Ghana und im Kinderzentrum sein? Ich möchte nicht mit diesem traurigen Gefühl nach Hause fliegen. Aber wie soll ich in den letzten Tagen im Kinderzentrum weiter arbeiten? Vieles ging mir durch den Kopf...Viele mir endlos erscheinende Nächte verbrachte ich schlaflos alleine in meinem Zimmer. Immer wieder spulte ich den Unfall in meinen Gedanken ab, auf der Suche nach der Antwort "wie konnte das passieren?"...doch solche schrecklichen Unfälle passieren leider, ohne das man sie rückgängig machen kann. Ich fasste all meine Energie zusammen und führte meine Arbeit im Kinderzentrum fort, auch wenn ich wusste, dass Jeffrey und seine besondere Persönlichkeit stark im Krippenalltag und in der Gruppe fehlen wird. Es gibt täglich so viele Momente, in denen ich denke, dass er bestimmt gleich um die Ecke kommen wird. Wenn wir z. B. mit den Kindern Musik hören und tanzen, oh wie sehr hat er das geliebt. Ich trage so viele wunderbare Erinnerungen an ihn in meinem Herzen und ich bin glücklich, dass ich ihn kennen lernen durfte. Nach seiner Beerdigung am vergangenem Dienstag, was auch noch einmal viel Kraft kostete, ging es mir dann aber besser und ich hatte die Möglichkeit Abschied zu nehmen. Das ist auch gut so für mich. So kann ich mich auch wieder auf die anderen Kinder und die Arbeit im Kinderzentrum freuen und emotional darauf einlassen.
Heute ist Montag und meine letzte Woche bricht an. Oh, der Gedanke daran...nur noch wenige Tage, nur noch wenige Stunden mit den Kindern...Ich werde die Zeit einfach genießen! Doch zuvor muss ich noch zum Immigration office nach Accra fahren und mich um meinen verschwundenen Pass kümmern...falls er nicht auftaucht, muss ich eben hier bleiben!!!
5 Kommentare:
Hallo Princess Biati!
Nix gibts, von wegen: falls der Pass nicht auftaucht, bleibst du da.
Ne ne, du kommst erst mal schön brav zurück, denn viele Menschen in Deutschland vermissen dich und möchten dich unheimlich gerne wieder sehen!!!
Ja, die Zeit ist verflogen und bald heißt es Abschied nehmen. Genieße die letzten Tage, sauge alles in dir auf.
Hole dir vor dein inneres Auge noch einmal den "Zustand", wie es im Kinderzentrum war, als du dort vor 5 Monaten angefangen hast. Und dann betrachte den Unterschied - deine Arbeitsleistung - ganz bewusst, und speichere diese Fortschritte und die Veränderung ab.
Du hast ganz tolles geleistet und bist wohl wirklich über dich hinausgewachsen. Sei dann auch mal so richtig stolz auf dich!
Richte doch bitte allen Teachern im Kinderzentrum, und auch Rose und Anette einen ganz lieben Gruß von mir aus.
Bis bald,
Anke
hallo ate:)
hab schon von der tragödie gehört und fühle sehr mit dir mit!
ich würde mich auch sehr freuen, wenn du deinen pass wieder findest...deutschland wartet auf dich!!!
Mir geht es auch schon besser-bin gut aufgehoben, da wo ich jetzt bin. mehr dann bald persönlich, wenn du wieder da bist. gedanken gehen an dich!!!!!! die ela.
Hallo Beate
ich weiß nicht was passiert ist, aber allein die Vorstellung ist sowas von schrecklich... wenn man dann selbst so einen Kleinen hat... manchmal denke ich mir auch, warum habe mir das angetan, jetzt habe ich ständig Angst, dass ihm was schlimmes passiert...
Ich freue mich sehr wenn du wieder da bist, melde dich wann du magst, wir freuen uns sehr auf einen Besuch und wir sind bestimmt auch bald wieder vor Ort. Ich drück dich und genieße deine Zeit, die Zeit bleibt leider nicht stehen...
Nadine
Hallo Beate,
Jeffrey fehlt uns allen sehr und in meine Gedanken war ich immer bei euch in Teshie. Jann sagte heute Abend zu mir: wenn er eine gute Zeit im Kindergarten gehabt hat, kommt er bald wieder.
Als Buddhist glaubt er fest daran. Ein tröstlicher Gedanke.
Er hatte eine gute Zeit mit dir!
Johannes
Hey,
hoffe es geht wieder bergauf und die genießt die letzten Tage; scheinst Du aber zu tun.
Jetzt wo die Immese auch fort sind ists irgendwie ruhiger und ich warte auf nen Grund wieder nach Flomersheim zu fahren.
News gibts auch hier sicher viele, aber komm erst mal zurück...
Hab schon so halb ne Stelle für Dich :)
Bis denne,
die Kessi
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